Gab es Zufälle, Situationen, Begegnungen mit bestimmten Personen während Ihrer Promotion an der WiSo-Fakultät, die Sie inspiriert und Ihren beruflichen Werdegang besonders geprägt haben?
Mein Promotionsthema, den Beitrag des Fernstraßenbaus für die regionale Wirtschaftsentwicklung mit den Folgen für die Umwelt zu vergleichen, war Anfang der 1980er Jahre aus ökonomischer und ökologischer Sicht ein ganz heißes Eisen. Weil das Ergebnis von der Pressestelle auch noch offensiv kommuniziert wurde, hatte ich plötzlich alle möglichen Anfragen der Medien.
Das fing mit dem Kölner Stadt-Anzeiger an, reichte über die ZEIT bis zu allen denkbaren Interviewformen im Radio: live im Studio, Aufzeichnung, Telefon usw. Das war nicht nur ein lehrreicher Crash-Kurs in Sachen Kommunikation, sondern so fiel meine Arbeit auch Bürgerinitiativen und der Politik auf.
Ich wurde zum Mitbegründer des umweltorientierten Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und bekam die Chance, in der NRW-Staatskanzlei Referent für Fragen des Strukturwandels und später auch der Finanzen zu werden. Das kann man nicht planen. Aber eine Lehre ist: Kommunikation ist ein ganz wichtiger Baustein.
Bitte vervollständigen Sie den Satz: Köln ist für mich…
...bunt, bodenständig, chaotisch, lebenswert - und sehr kommunikativ!
Was würden Sie Ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen gerne mit auf den Weg geben? Was sind Ihre drei Tipps?
1. Studieninhalte werden notwendigerweise immer spezialisierter. Vergessen Sie dabei nicht, dass jede Wissenschaft Teil eines großen Ganzen ist. Elfenbeinturm-Wissenschaft ohne Selbstverständnis als Teil der Gesamtgesellschaft ließe viele Fortschritts-Chancen liegen.
2. Nicht abschotten. Miteinander austauschen. Kommunizieren. Auch durch Aktivitäten außerhalb von Studium und Hochschule. Dafür bietet Köln viele Gelegenheiten.
3. Das betrifft meine Wissenschaft, die Volkswirtschaftslehre: Darauf drängen, dass Pluralität der wissenschaftlichen Denkrichtungen gefördert wird. VWL ist keine Natur-, sondern Gesellschaftswissenschaft. Das ist bei uns (soweit ich das beobachten kann) weniger erkennbar als zum Beispiel in den USA.
Vielen Dank für das Interview!