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Lilly-Belle Obersteg im Interview

Unsere Alumna Lilly-Belle Obersteg studierte Wirtschaftsinformatik an der WiSo. Gemeinsam mit zwei Kommiliton:innen gründete sie im November 2025 das Unternehmen MEMORiA Books, mit dem persönliche Erinnerungen digital erfasst und als Geschichte in Buchform verewigt werden können. Unterstützt wurden sie dabei vom Gateway Exzellenz Start-up Center der Universität zu Köln. Im Alumni-Interview sprachen wir mit ihr darüber, warum die Wirtschaftsinformatik ihr geholfen hat, über die Managementperspektive hinaus zu verstehen, wie Technologien wirklich funktionieren, warum sie insbesondere Frauen ermutigen möchte, ihren eigenen Weg in der Tech- und Innovationslandschaft zu gehen und wie aus einer persönlichen Idee während eines Auslandssemesters ein Start-up mit zwei weiteren WiSoAlumni wurde.

Wirtschaftsinformatik eröffnet unglaublich viele Wege: von IT Beratung über Produktentwicklung bis hin zur Gründung. Es ist ein Studium, das Türen öffnet – und man darf sich erlauben, erst unterwegs herauszufinden, durch welche davon man gehen möchte.

Lilly-Belle Obersteg

Liebe Lilly-Belle, du hast Wirtschaftsinformatik an der WiSo studiert und 2025 abgeschlossen. Warum hast du dich für diese Master-Spezialisierung entschieden?

Ich habe im Bachelor BWL an der Uni Köln studiert und dort ergänzend Module in Wirtschaftsinformatik belegt. Diese haben mich damals am meisten interessiert. Parallel habe ich während meines Bachelors im Innovations- und Technologiemanagement bei der BWI GmbH gearbeitet, dem IT-Dienstleister der Bundeswehr. Mir war klar, ich wollte tiefer verstehen, wie Technologien wirklich funktionieren, nicht nur aus Managementperspektive, sondern auch technisch. Oft hatte ich Ideen, aber mir fehlte das technische Fundament, um sie weiterzudenken oder umzusetzen. Wirtschaftsinformatik war für mich die perfekte Brücke zwischen BWL, Technologie und Gestaltungsspielraum.

Der Studiengang ist immer noch stark männlich geprägt, auch an der WiSo studieren aktuell noch deutlich mehr Männer als Frauen Wirtschaftsinformatik. Woran liegt das deiner Meinung nach? 

Ich glaube, viele Entscheidungen fallen sehr früh. Ich war 17 Jahre alt, als ich mich für mein Studium entschieden habe, und Wirtschaftsinformatik hatte ich damals nicht auf dem Schirm. BWL schon – Gründen, Wirtschaft, Zusammenhänge verstehen, das begeisterte mich.

Ich denke, viele Mädchen kommen in der Schule noch zu wenig mit Informatik und Technologie in Berührung und bekommen nicht gezeigt, wie kreativ und frei dieses Feld eigentlich ist. Was für Möglichkeiten Wirtschaftsinformatik bietet – eigene Ideen umzusetzen, Produkte zu bauen, wirklich Themen zu gestalten – war mir damals nicht bewusst. Umso schöner ist es zu sehen, dass sich da langsam etwas ändert.

Was würdest du Frauen raten, die sich für das Fach interessieren, aber noch unsicher sind, welche Karrierechancen es ihnen bieten kann? 

Ganz klar: Hör auf dein Interesse. Neugier und Begeisterung sind die beste Grundlage – das war auch meine größte Motivation für den Master in Wirtschaftsinformatik.

Die Karrierechancen sind sehr gut, keine Frage. Frauen sind im Studium Wirtschaftsinformatik und später im IT nahen Beruf noch unterrepräsentiert, gleichzeitig aber sehr gefragt. Vor allem aber eröffnet Wirtschaftsinformatik unglaublich viele Wege: von IT Beratung über Produktentwicklung bis hin zur Gründung. Es ist ein Studium, das Türen öffnet – und man darf sich erlauben, erst unterwegs herauszufinden, durch welche davon man gehen möchte.

Mit deinem Know-how in Wirtschaftsinformatik haben du und zwei weitere Kommiliton:innen im November 2025 das Start-up MEMORiA Books gegründet und im Dezember gelauncht. Erzähl uns bitte kurz, wie es zur Idee und zur Gründung von MEMORiA Books kam? Was macht ihr genau?

Die Idee zu MEMORiA ist aus einem sehr persönlichen Moment entstanden. Dina und ich haben uns während unseres Auslandssemesters in Durham kennengelernt. Wir haben viele Abende mit internationalen Freund:innen verbracht – voller Geschichten, Erinnerungen und besonderer Momente. Wir hatten sogar ein leeres Notizbuch dabei, um all das festzuhalten. Dieses Buch ist bis heute nur auf der ersten Seite beschrieben.

Eines Abends kam Dina in mein Zimmer, und wir haben stundenlang gebrainstormt. Am nächsten Tag haben wir Jonas angerufen, mit dem ich Wirtschaftsinformatik studiert habe. Gemeinsam haben wir MEMORiA Books entwickelt: Wir ermöglichen es Menschen, ihre persönlichen Erinnerungen digital festzuhalten – begleitet von einfühlsamen, intelligenten Fragen. Nutzer:innen können per Text, Sprachnachricht und Fotos antworten. Mithilfe von KI entsteht daraus eine zusammenhängende, persönliche Geschichte, die wir als hochwertiges, gedrucktes Buch verewigen.

Wir wollen, dass Geschichten nicht verloren gehen. Jeder Mensch hat eine Geschichte, die es wert ist, erzählt und bewahrt zu werden.

Wir wollen, dass Geschichten nicht verloren gehen. Jeder Mensch hat eine Geschichte, die es wert ist, erzählt und bewahrt zu werden.

Lilly-Belle Obersteg

Deine beiden Geschäftspartner bei MEMORiA Books haben beide auch an der WiSo studiert, Dina Hax hat einen Abschluss in Supply Chain Management, Jonas Fokken hat Anfang 2025 seinen Abschluss wie du in Wirtschaftsinformatik gemacht. Wie habt ihr eure Rollen bei MEMORiA aufgeteilt und wie ergänzt ihr euch in eurem Arbeitsalltag?

Wir haben die Herausforderung, dass wir inzwischen alle einen Vollzeitjob haben. Deswegen ist klare Aufgabenverteilung und Regeltermine zur Abstimmung sehr wichtig. Wir stehen täglich im Kontakt und haben regelmäßig Workshops am Wochenende.

Dina verantwortet vor allem Logistik und Marketing. Jonas fokussiert sich auf die Produktkonzeption, Finance und Tech. Ich arbeite an der Produktentwicklung und Customer Relations.
Natürlich gibt es auch viele Themen wie Strategie, der Einsatz von KI oder unsere Website, die wir gemeinsam gestalten. Wir nutzen unsere Stärken, wollen aber auch voneinander lernen. Das macht die Zusammenarbeit nicht nur effizient, sondern auch menschlich sehr bereichernd.

Bei der Unternehmensgründung hat euch auch das Gateway Exzellenz Start-up Center der Universität zu Köln begleitet. Was war für euch der größte Mehrwert der Unterstützung durch das Gateway? Und welche Rolle spielt es für eure nächsten Schritte?

Dina und ich haben 2025 das EXIST-Women-Stipendium erhalten. Das Programm richtet sich speziell an Frauen mit einer Gründungsidee. Zusätzlich haben wir zu dritt als Gründerteam am Inkubatorprogramm des Gateway teilgenommen.

Der Mehrwert ging über Fördermittel hinaus: Vernetzung mit anderen Gründern und Gründerinnen, Workshops zu allen relevanten Themen, großartige Mentorinnen im EXIST-Women-Programm, Events, Ansprechpersonen für diverse Fragen – und ein wunderbares Office, das wir am Wochenende für Workshops nutzen konnten. 
Das Gateway hat uns den Rahmen und die Möglichkeiten gegeben unsere Idee in die Tat umzusetzen.

Könntest du zum Abschluss des Interviews den folgenden Satz vervollständigen: Denke ich an meine Studienzeit in Köln zurück, denke ich…

… an Neugier, an Entwicklung, großartigen Menschen und an ganz viele Möglichkeiten. An eine Zeit, in der man ausprobieren durfte, Fehler machen konnte und langsam seinen eigenen Weg gefunden hat.

Das Gateway hat uns den Rahmen und die Möglichkeiten gegeben unsere Idee in die Tat umzusetzen.

Lilly-Belle Obersteg

Und was würdest du unseren Studierenden noch gerne mit auf den Weg geben? Hast du drei Tipps fürs Studium?

1.  Mach das, was dir wirklich Spaß macht. Motivation und dein persönliches echtes Interesse tragen dich viel weiter als jeder perfekte Lebenslauf.
2.  Probiere so viel wie möglich aus. Praktika und Werkstudierendenjobs geben dir Einblicke, was zu dir passt und was eben nicht. Beides ist wertvoll.
3.  Genieß die Zeit. Auslandssemester, Workshops, Feiern, neue Menschen, neue Perspektiven – das Studium ist eine riesige Spielwiese. Nutze sie.

Liebe Lilly-Belle, ich bedanke mich für deine Zeit und für das Interview.

Die Fragen stellte Pascal Tambornino.