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Dr. Dorit Meyer im Interview

Unsere Alumna Dr. Dorit Meyer ist Projektmanagerin für Innovationsförderung und Technologietransfer bei der KölnBusiness Wirtschaftsförderung, wo sie Unternehmen zu den Themen Digitalisierung, innovative Technologien und Technologietransfer berät. Sie hat Geographie und Ethnologie an der Universität Mainz studiert und wurde 2012 an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln bei Professorin Martina Fuchs in Wirtschafts- und Sozialgeographie promoviert. Anschließend war sie bei der FOM Hochschule für Oekonomie & Management im Bereich Hochschulmanagement beschäftigt, ehe sie ab 2019 bis zu Ihrem Einstieg bei der KölnBusiness Wirtschaftsförderung im Jahr 2021 für die xaverius Unternehmens- und Personalberatung als Research Consultant im Executive Research tätig war. Im Alumni-Interview sprachen wir mit ihr über Hochschulen als ideale Orte zum Gründen, ihre Faszination für die Frage, welche Rolle Unternehmen, Innovationen und Netzwerke für die Entwicklung unterschiedlicher Regionen spielen, und warum Data Literacy als Future Skill in Zeiten von Algorithmen und KI immer wichtiger wird.

Wer schon im Studium lernt, unternehmerisch zu denken, ist als Gründerin oder Gründer und auf dem Arbeitsmarkt deutlich besser aufgestellt. Die Uni Köln leistet dabei wertvolle Arbeit.

Dr. Dorit Meyer

Liebe Dorit, du hast Geographie und Ethnologie studiert und wurdest 2012 an der WiSo in Wirtschafts- und Sozialgeographie promoviert. Was hat dich damals an diesem Fachgebiet besonders gereizt – und was fasziniert dich bis heute daran?

Mich hat schon immer interessiert, wie Menschen, Wirtschaft und Räume miteinander zusammenhängen. Die Wirtschafts- und Sozialgeographie untersucht genau diese Wechselwirkungen. Besonders fasziniert hat mich die Frage, warum sich Regionen unterschiedlich entwickeln und welche Rolle Unternehmen, Innovationen und Netzwerke dabei spielen.

Diese Faszination begleitet mich bis heute. In meiner aktuellen Arbeit, in der es viel um Innovation, Digitalisierung und Technologietransfer geht, beschäftige ich mich im Grunde mit denselben Zusammenhängen – nur aus einer stärker praxisorientierten Perspektive. Ich schaue nicht nur auf einzelne Technologien, sondern immer auch darauf, welche Akteure, Rahmenbedingungen und Kooperationen nötig sind, damit aus einer guten Idee tatsächlich Innovationen entstehen, die Unternehmen voranbringen und die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Köln nachhaltig stärken.

Nach deiner Promotion hast du im Hochschulmanagement und in der Unternehmens- und Personalberatung gearbeitet. Heute bist du Projektmanagerin für Innovationsförderung und Technologietransfer im Bereich Business Development bei der KölnBusiness Wirtschaftsförderung. Welche Skills, die du dir im Rahmen deines Studiums oder während deiner Promotion angeeignet hast, helfen dir heute noch bei deinen täglichen Aufgaben?

Eine Fähigkeit, die für mich bis heute besonders wichtig ist, ist Data Literacy – also die Fähigkeit, Daten nicht nur zu sammeln, sondern sie kritisch zu verstehen, zu bewerten und in sinnvolle Entscheidungen zu übersetzen. Gerade im KI-Zeitalter ist das ein echter Future Skill: Je mehr mit Daten, Algorithmen und KI-gestützten Anwendungen gearbeitet wird, desto wichtiger wird es, Ergebnisse einordnen zu können und nicht alles unhinterfragt zu übernehmen. Diese Fähigkeit hilft mir heute dabei, technologische Trends kritisch zu bewerten und zwischen echtem, nachhaltigem Innovationspotenzial und kurzfristigen Hypes zu unterscheiden.

Zudem habe ich in Forschung und Lehre gelernt, relevante Fragen zielgerichtet zu stellen und komplexe Inhalte adressatengerecht aufzubereiten. Entscheidend ist, Fachwissen bedarfsorientiert so zu übersetzen, dass es für unterschiedliche Zielgruppen verständlich wird. Davon profitiere ich noch heute, egal, ob ich ein KI-Start-up durch den Förderdschungel begleite oder ein mittelständisches Unternehmen zum Einsatz innovativer Technologien berate.

Je mehr mit Daten, Algorithmen und KI-gestützten Anwendungen gearbeitet wird, desto wichtiger wird es, Ergebnisse einordnen zu können und nicht alles unhinterfragt zu übernehmen. Diese Fähigkeit hilft mir heute dabei, technologische Trends kritisch zu bewerten und zwischen echtem, nachhaltigem Innovationspotenzial und kurzfristigen Hypes zu unterscheiden.

Dr. Dorit Meyer

Deine Aufgabe bei der KölnBusiness Wirtschaftsförderung besteht darin, frühzeitig technologische Zukunftstrends zu erkennen und die entsprechenden Partner dafür miteinander zu vernetzen. Das können Start-ups, Unternehmen und Universitäten sein. Was macht solche Kooperationen erfolgreich? Und wo liegen häufig die größten Herausforderungen?

Start-ups bringen oft Geschwindigkeit und Mut mit, Hochschulen neues Wissen und Methodenkenntnis und Unternehmen Marktkenntnis und Erfahrung. Das klingt zunächst nach einer Traumkombination. In der Praxis treffen allerdings manchmal unterschiedliche Zeithorizonte, Prozesse und Prioritäten aufeinander. Unsere Rolle als Wirtschaftsförderung besteht darin, gemeinsame Nenner zu finden und Rahmen zu schaffen, in denen alle ihren jeweils eigenen Mehrwert einbringen können. Genau dann entstehen oft die innovativen Ideen.

Gibt es gerade aus deiner Sicht besonders spannende Entwicklungen oder Zukunftstrends, die sich in den nächsten Jahren durchsetzen werden? Und welche Branchen oder Themenfelder entwickeln sich aus deiner Sicht aktuell besonders dynamisch und sind eventuell auch für unsere aktuellen Studierenden als spätere Karriereoptionen interessant?

Viele der aktuellen Zukunftsthemen sind nicht mehr innerhalb einzelner Disziplinen lösbar. Ob Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit oder Defence Technology (DefTech) – entscheidend wird zunehmend die Fähigkeit, technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Perspektiven zusammenzubringen. Gleichzeitig gewinnen Themen wie technologische Souveränität, Resilienz und der Transfer von Innovationen in die praktische Anwendung weiter an Bedeutung.

Für Studierende ergeben sich spannende Perspektiven. Technologisches Verständnis wird wichtiger, gleichzeitig steigt der Bedarf an Menschen, die komplexe Zusammenhänge einordnen, Silodenken aufbrechen, unterschiedliche Akteure vernetzen und Innovationen in die Umsetzung bringen können. Viele interessante Karrierewege entstehen deshalb genau an den Schnittstellen, etwa im Innovations- und Nachhaltigkeitsmanagement, Technologietransfer oder in der Gestaltung von Transformationsprozessen in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen.

Technologisches Verständnis wird wichtiger, gleichzeitig steigt der Bedarf an Menschen, die komplexe Zusammenhänge einordnen, Silodenken aufbrechen, unterschiedliche Akteure vernetzen und Innovationen in die Umsetzung bringen können.

Dr. Dorit Meyer

An der Universität zu Köln gibt es seit 2019 das Gateway Exzellenz Start-up Center, das Studierende bei der Gründung unterstützt. Darüber hinaus ist es ein übergeordnetes Ziel des Lehrstuhls für Entrepreneurship und Management rund um Professor Christian Schwens, Grundwissen in Betriebswirtschaft, Unternehmertum etc. an Studierende nicht-wirtschaftswissenschaftlicher Fakultäten zu vermitteln. Welche Vorteile siehst du in Unternehmensgründungen im Hochschulkontext?

Hochschulen sind ideale Orte zum Gründen. Studierende können Ideen ausprobieren, Risiken eingehen, Netzwerke aufbauen, Gleichgesinnte finden und aus Erfolgen wie auch aus Fehlschlägen lernen. Hier entstehen interdisziplinäre Teams, deren Mitglieder einander in ihren Kompetenzen ergänzen. Und selbst wenn aus der Geschäftsidee nicht das nächste Unicorn wird, sammelt man Erfahrungen, knüpft Kontakte und entwickelt Skills, die weit über eine Gründung hinaus wertvoll sind.

Deshalb finde ich es wichtig, dass Hochschulen Unternehmertum aktiv fördern. Wer schon im Studium lernt, unternehmerisch zu denken, ist als Gründerin oder Gründer und auf dem Arbeitsmarkt deutlich besser aufgestellt. Die Uni Köln leistet dabei wertvolle Arbeit.

Könntest du zum Abschluss den folgenden Satz vervollständigen: Denke ich an meine Studienzeit in Köln zurück, denke ich…

… daran, wie viel Kaffee eine Dissertation verbraucht. Und daran, wie viele spannende Menschen, Ideen und Wege mir Köln seitdem eröffnet hat.

Ich schaue nicht nur auf einzelne Technologien, sondern immer auch darauf, welche Akteure, Rahmenbedingungen und Kooperationen nötig sind, damit aus einer guten Idee tatsächlich Innovationen entstehen, die Unternehmen voranbringen und die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Köln nachhaltig stärken.

Dr. Dorit Meyer

Und was würdest du unseren Studierenden noch gerne mit auf den Weg geben? Hast du drei Tipps fürs Studium?

Erstens: Seid neugierig über eure eigene Fachgrenze hinaus. Die spannendsten Entwicklungen passieren an Schnittstellen – zwischen Technologie und Gesellschaft, zwischen Wirtschaft und Kultur. 

Zweitens: Netzwerkt, bevor ihr es braucht. Der richtige Kontakt kann im entscheidenden Moment zum Door Opener und Game Changer werden.

Und drittens: Nur wer stehen bleibt, kann nicht stolpern. Wer Neues ausprobiert, macht Fehler. Aber genau daraus entstehen Erfahrungen, Kontakte und manchmal sogar die besten Geschichten.

Liebe Dorit, ich bedanke mich für deine Zeit und für das Interview.

Die Fragen stellte Pascal Tambornino

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