Zum Hauptinhalt springen

Dr. Daniela Brönstrup im Interview

Unsere Alumna Dr. Daniela Brönstrup studierte Volkswirtschaftslehre an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln und ist seit 2024 Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur. Zusätzlich zu ihrem VWL-Studium absolvierte sie die Kölner Journalistenschule und wurde 2000 an der WiSo bei Professor Carl Christian von Weizsäcker promoviert. Anschließend startete sie eine Laufbahn im politischen Berlin, wo sie über 25 Jahre in unterschiedlichen Verantwortungen im Bundeswirtschaftsministerium tätig war, zuletzt als Abteilungsleiterin für Digital- und Innovationspolitik unter Minister Robert Habeck. 2024 wurde sie zur Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur in Bonn benannt und ist hier für die Bereiche Telekommunikation, Digitales, Post und Eisenbahn zuständig. In dieser Funktion ist sie für die Um- und Durchsetzung rechtlicher Rahmenbedingungen von Gesetzesinitiativen verantwortlich, die sie während ihrer Berliner Zeit selbst erarbeitete und mit konzipierte. In ihrer neuen Rolle gestaltet sie federführend zentrale Zukunftsthemen wie den Ausbau der digitalen Infrastruktur, Plattformregulierung und die Transformation hin zu einer digitalen Gesellschaft maßgeblich mit. Im Alumni-Interview sprachen wir mit ihr über den Perspektivwechsel vom Wirtschaftsministerium zur Bundesnetzagentur, die zukünftige Rolle der Bundesnetzagentur bei der Um- und Durchsetzung des EU AI Acts sowie die größten Herausforderungen und Chancen, die diese und weitere Aufgaben mit sich bringen.

Gerade bei der Umsetzung des AI Acts sehen wir eine große Verunsicherung. Dem begegnen wir bereits jetzt u.a. mit einem KI Service Desk.

Dr. Daniela Brönstrup

Liebe Frau Dr. Brönstrup, nach Ihrem Studium und Ihrer Promotion an der WiSo hat Sie Ihr beruflicher Weg nach Berlin geführt, wo Sie zuletzt als Abteilungsleiterin für Digital- und Innovationspolitik im Bundeswirtschaftsministerium unter Robert Habeck tätig waren. Was an Ihrer Studienzeit an der WiSo hat Ihnen bei Ihren vielfältigen Aufgaben im politischen Berlin am meisten geholfen? 

An der WiSo habe ich wissenschaftliches Arbeiten gelernt, strukturiert an wirtschaftspolitische Fragen heranzugehen und bei der Lösungssuche anreizorientiert zu denken. Im praktischen Alltag des Ministeriums – ebenso wie in den drei Jahren im Bundespräsidialamt – hat mich darüber hinaus meine Kölner Journalistenausbildung bestens darauf vorbereitet, auch komplexe Themen kurz und verständlich aufzubereiten.

Seit 2024 sind Sie Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur in Bonn und hier verantwortlich für die Bereiche Telekommunikation, Digitales, Post und Eisenbahn. Worin liegt die größte Umstellung Ihrer neuen Tätigkeit, jetzt wo Sie für die Um- und Durchsetzung rechtlicher Rahmenbedingungen genau der Gesetzesinitiativen verantwortlich sind, die sie vormals im Wirtschaftsministerium selbst erarbeitet und mit konzipiert haben?

Der größte Unterschied ist genau der, den Sie beschreiben: Die Bundesnetzagentur unterstützt und berät zwar auch in Gesetzgebungsprozessen, aber vor allem sind wir klassisch exekutiv tätig, müssen also Gesetze durch- und umsetzen. Damit ist unsere Arbeit marktnäher. Und unsere Entscheidungen, die unmittelbare Auswirkungen auf Unternehmen haben, müssen auch Bestand vor Gericht haben. 

An der WiSo habe ich wissenschaftliches Arbeiten gelernt, strukturiert an wirtschaftspolitische Fragen heranzugehen und bei der Lösungssuche anreizorientiert zu denken.

Dr. Daniela Brönstrup

Ein zentraler Bereich Ihrer Arbeit ist die digitale Infrastruktur – von der Vergabe der Mobilfunkfrequenzen über den Glasfaserausbau bis hin zur Transformation zu einer digitalen Gesellschaft. Die Bundesnetzagentur wollen Sie zu einer Digitalagentur weiterentwickeln. Welche Rolle soll die Bundesnetzagentur künftig im digitalen Ökosystem Deutschlands einnehmen? Und gibt es internationale Vorbilder oder Best Practices, die Sie bei der Weiterentwicklung inspirieren?

Die Bundesnetzagentur soll eine zentrale Rolle bei der Um- und Durchsetzung des EU AI Acts und des Data Acts erhalten. Wir werden also den europäischen Binnenmarkt für vertrauenswürdige Künstliche Intelligenz und die Datenökonomie mitprägen. Wir werden das mit dem Mindset tun, das wir auch im Infrastrukturbereich pflegen: Durch die Sicherung von fairem Wettbewerb wollen wir Innovationen und Investitionen anreizen. Das setzt zunächst Klarheit bei den Regeln voraus. Gerade bei der Umsetzung des AI Acts sehen wir eine große Verunsicherung. Dem begegnen wir bereits jetzt u.a. mit einem KI Service Desk: Auf unserer Website finden Unternehmen bereits viele wichtige Informationen. Mit dem Aufbau eines KI-Reallabors wollen wir Unternehmen helfen, schon während der Entwicklung eines KI-Produkts z.B. Transparenzanforderungen mitzudenken und damit die Markteinführung zu erleichtern. Wir pflegen dazu bereits einen guten Austausch u.a. mit den spanischen Kollegen im AESIA. Denn es wird wichtig sein, dass wir in diesen Zukunftsfeldern einen starken, einheitlichen europäischen Binnenmarkt schaffen. Das ist Europa übrigens schon einmal gelungen: mit klaren Regeln bei der Einführung des GSM-Mobilfunkstandards.

Sie selbst haben zu Ihrer Berliner Zeit die KI-Verordnung in Brüssel verhandelt. Wie machen Sie die Bundesnetzagentur fit für neue Aufgaben wie diese? Und worin sehen Sie die größten Herausforderungen und Chancen im Umgang mit KI, auch für die Bundesnetzagentur selbst?

Die Bundesnetzagentur beschäftigt sich schon länger mit digitalen Märkten. So ist sie z.B. für die Durchsetzung der Netzneutralitätsverordnung zuständig. Daher gibt es auch schon einige versierte Kolleginnen und Kollegen, die sich mit den Themen beschäftigten. Als sich abzeichnete, dass die Bundesnetzagentur eine zentrale Rolle bei der Durchsetzung der KI-Verordnung bekommen soll, haben wir eine Projektgruppe gegründet. Wenn wir nun die Aufgaben tatsächlich gesetzlich übertragen bekommen, werden wir aber auf jeden Fall weitere KI- und Daten-Experten benötigen. Das stellt uns angesichts der Haushaltskonsolidierung durchaus vor große Herausforderungen. 

Große Chancen sehen wir bei der Nutzung von KI in der Bundesnetzagentur. Wir selbst gehen mit großen Datenmengen um, führen zahlreiche Verfahren, manche standardisiert, andere sehr individuell. Ein sehr zeitaufwändiger und permanent notwendiger Prozess ist die Schwärzung von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen. Z.B. dabei werden wir uns künftig von KIPITZ, der KI des Bundes, unterstützen lassen. Mit dem Einsatz von KI wollen wir Kolleginnen und Kollegen von Routine-Aufgaben entlasten und damit Freiraum schaffen für die wichtigen Abwägungs- und Bewertungsaufgaben.

Die Bundesnetzagentur hat vor allem die Aufgabe, den Wettbewerb in sogenannten Netzmärkten zu fördern, also Märkten, die allein mit einer Netzinfrastruktur funktionieren und die deshalb ohne staatlichen Eingriff zu Monopolen würden. Wo sehen Sie die drängendsten Aufgaben der nächsten fünf Jahre und welche Rolle kann die Bundesnetzagentur dabei spielen?

Im Telekommunikationsbereich steht der schrittweise Wechsel von herkömmlichen Kupfernetzen auf moderne Glasfasernetze an. Hier gilt es, den fairen Ausbauwettbewerb und den Dienstewettbewerb auf den Glasfasernetzen, also den Zugang zu dieser Infrastruktur sicherzustellen. Die Bundesnetzagentur hat dazu im Januar das Regulierungskonzept zur sogenannten Kupfer-Glas-Migration veröffentlicht. Wir beschreiben darin, welche Schritte aus unserer Sicht notwendig sind, um überall in Deutschland ein leistungsstarkes und bezahlbares Glasfasernetz zu bekommen. Allgemeinverständlich erklären wir das Thema außerdem in der Podcast-Reihe NETZtalk – einfach mal reinhören! 

Im Telekommunikationsbereich steht der schrittweise Wechsel von herkömmlichen Kupfernetzen auf moderne Glasfasernetze an. Hier gilt es, den fairen Ausbauwettbewerb und den Dienstewettbewerb auf den Glasfasernetzen, also den Zugang zu dieser Infrastruktur sicherzustellen.

Dr. Daniela Brönstrup

Könnten Sie zum Abschluss den folgenden Satz vervollständigen: Denke ich an meine Studienzeit in Köln zurück, denke ich…

… an das WiSo-Hochhaus und den WiSo-Flur – beides heute schöner und moderner als damals – und natürlich an die Zülpicher Straße.

Und was würden Sie unseren Studierenden noch gerne mit auf den Weg geben? Haben Sie drei Tipps fürs Studium?

Neugierig bleiben, Frustrationstoleranz entwickeln und internationale Erfahrungen sammeln. Oder einfach nach Don Bosco: „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen.“


Liebe Frau Dr. Brönstrup, ich bedanke mich für Ihre Zeit und für das Interview.


Die Fragen stellte Pascal Tambornino

Weitere Alumni-Interviews