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Peter Heidkamp im Interview

Unser Alumnus Peter Heidkamp (Abschluss 2003) hat Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln studiert und stieg unmittelbar nach dem Studium bei KPMG ein. Dort prägte er unterschiedliche Führungsrollen, zuletzt als Partner im Bereich Financial Services Technology Consulting sowie als Leiter des hauseigenen Technology Center of Excellence. Nach über 20 Jahren bei KPMG wechselte er 2022 zur Deutsche Börse und baute dort den Bereich für IT Governance, Risk & Transformation auf. Dabei fokussiere er sich besonders auf die gruppenweite IT Steuerung und die Stärkung interner Kontrollsysteme. Als Chief Information and Communication Technology (ICT) Risk Officer sowie als Chief Information Security Officer (CISO) der Deutschen Börse trieb er dabei die Umsetzung von Resilienzanforderungen im Rahmen der europäischen DORA-Regulierung (Digital Operational Resilience Act) voran. Im Februar 2025 wechselte er schließlich zu Aleph Alpha, Deutschlands führendem Scale-up für generative KI. Hier arbeitet er als Vice President Financial Services Industry an innovativen KI-Angeboten für Banken und Versicherungen. Im Alumni-Interview sprachen wir mit ihm über die Vermittlung strategischen Weitblicks während des Studiums im Kontext der beginnenden digitalen Transformation, seine Einschätzung zur Zukunft des Finanzdienstleistungssektors in den kommenden fünf Jahren sowie über die innovative Idee tokenfreier Modelle für eine effizientere und ressourcenschonendere KI.

KI-Infrastruktur ist kein Selbstzweck – sie schafft nur dann digitale Souveränität, wenn sie konkrete KI-Anwendungen ermöglicht.

Peter Heidkamp

Lieber Herr Heidkamp, nach Ihrem Studium an der WiSo sind Sie unmittelbar bei KPMG eingestiegen und haben dort in über 20 Jahren vielfältige Führungspositionen geprägt, zuletzt als Partner im Bereich Financial Services Technology Consulting. Was an Ihrem Studium an der WiSo hat Ihnen beim Übergang vom Hörsaal an den Konferenztisch besonders geholfen? 

Zu Beginn meines Studium Ende der 1990er Jahre begann die große Zeit des Internet und die Bedeutung von Technologie in allen Branchen stieg rasant. Insbesondere meine Schwerpunktfächer haben mir beim Berufseinstieg sehr geholfen: Medien- und Technologiemanagement hat mir den strategischen Weitblick für die beginnende digitale Transformation vermittelt, während wir in Wirtschaftsinformatik die Grundzüge der Informationstechnologie und wichtiges Handwerkszeug wie Prozessmodellierung, den Aufbau von Informationssystemen und Programmiersprachen gelernt haben. Meine Diplomarbeit durfte ich praxisnah zu internen Kontrollsystemen für betriebliche Informationssysteme schreiben. Damit wurde ich direkt zum Start Experte in meinem beruflichen Umfeld. Darüber hinaus hat mich das Studium an der großen Kölner Uni darauf vorbereitet, mich selbst zu organisieren und persönliche Netzwerke aufzubauen.  

vergrößern: WiSoAlumnus Peter Heidkamp next to the Bull in front of Deutsche Börse.
© Peter Heidkamp

Nach über 20 Jahren bei KPMG sind Sie dann 2022 an die Deutsche Börse gewechselt und haben dort den Bereich für IT Governance, Risk & Transformation und anschließend das Chief ICT Risk Office aufgebaut. Was hat diesen Job ausgemacht? Und was hat Sie nach der langen Zeit an diesem neuen Angebot gereizt? 

Die Deutsche Börse Gruppe ist einer der größten europäischen Betreiber einer Finanzmarktinfrastruktur und damit in gewisser Weise ein Technologieunternehmen mit den Risiken und regulatorischen Anforderungen eines Finanzinstituts. Die Herausforderungen aus dieser herausragenden Rolle haben mich sehr gereizt. Nach so langer Zeit in der Beratung bei KPMG wollte ich die Kundenseite kennen lernen, Transformation ganzheitlich verantworten und von innen vorantreiben.

 

Seit Anfang 2025 sind Sie nun bei Aleph Alpha, dem führenden Scale-up für generative KI in Deutschland, als Vice President Financial Services Industry verantwortlich für die Geschäftsfelder Finance und Banking. Worin liegen Ihrer Meinung nach aktuell die wichtigsten Anwendungsmöglichkeiten für KI in diesen Bereichen?

In meiner beruflichen Karriere habe ich große technologische Transformationen durch das Internet und später Cloud Services erlebt. Generative KI wird unsere Welt in einer noch viel fundamentaleren Weise verändern und die Wissensarbeit transformieren. 

Der Finanzsektor bietet großes Potenzial für generative KI – insbesondere bei der effizienten Bewältigung regulatorischer Vorgaben, der Betrugserkennung und der Automatisierung kritischer Prozesse.

Der Finanzsektor bietet großes Potenzial für generative KI – insbesondere bei der effizienten Bewältigung regulatorischer Vorgaben, der Betrugserkennung und der Automatisierung kritischer Prozesse.

Peter Heidkamp

Näher dran an Innovation als bei Aleph Alpha geht nicht. Wohin wird sich speziell der Financial-Services-Sektor Ihrer Meinung nach innerhalb der nächsten fünf Jahren entwickeln? 

In fünf Jahren wird generative KI ein integraler Bestandteil wirtschaftlicher Prozesse sein. Sie wird nicht nur assistieren, sondern mitgestalten: in der Kundenberatung, der Produktentwicklung, der regulatorischen Prüfung. Multimodale Modelle, die Text, Bild, Audio und strukturierte Daten verarbeiten können, werden Standard. Gleichzeitig werden Unternehmen differenzierter und strategischer mit KI umgehen – statt generischer Lösungen entstehen maßgeschneiderte, erklärbare Systeme. Entscheidend ist, dass wir jetzt die Grundlagen legen: mit souveräner Infrastruktur, klarer Governance und gezielter Ausbildung.

vergrößern: WiSoAlumnus Peter Heidkamp giving a lecture.
© Aleph Alpha

Welche KI-Entwicklung im Allgemeinen hat Sie zuletzt am meisten beeindruckt? Gab es ein Aha-Erlebnis, das Sie überrascht oder inspiriert hat?

KI-Infrastruktur ist kein Selbstzweck – sie schafft nur dann digitale Souveränität, wenn sie konkrete KI-Anwendungen ermöglicht. Entscheidend sind die Nutzbarkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit, nicht die schiere Größe. Besonders beeindrucken mich daher europäische Forschungsergebnisse zum effizienten und domänenspezifischen Einsatz von KI. Aleph Alpha entwickelt zum Beispiel mit einer tokeniser-freien Architektur (T-FREE, Hierarchical Autoregressive Transformer) Modelle, die deutlich effizienter und ressourcenschonender arbeiten. Sie sind optimiert für den Betrieb in europäischen Rechenzentren – auch bei begrenzten Ressourcen – und für domänenspezifische, regulierte Anwendungen wie im Finanzsektor.

Könnten Sie zum Abschluss den folgenden Satz vervollständigen: Denke ich an meine Studienzeit in Köln zurück, denke ich…

… an eine wunderbare Stadt, tolle Partys und anstrengende Klausurenphasen mit viel Kaffee in der Uni Bibliothek.

Entscheidend ist, dass wir jetzt die Grundlagen legen: mit souveräner Infrastruktur, klarer Governance und gezielter Ausbildung.

Peter Heidkamp

Und was würden Sie unseren Studierenden noch gerne mit auf den Weg geben? Haben Sie drei Tipps fürs Studium?

  • Herausforderungen annehmen und mit viel Ehrgeiz eigene Ziele verfolgen.
  • Den Blick auf die Wirtschaftspraxis nicht verlieren.
  • Die Zeit an der Uni Köln genießen.

Lieber Herr Heidkamp, ich bedanke mich für Ihre Zeit und für das Interview.

 

Die Fragen stellte Pascal Tambornino

Bachelor
Master

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