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Wussten Sie schon, dass Trennungen im höheren Alter auch erleichternd sein können?

Trennungen im höheren Alter gelten oft als belastend. Doch neue Forschung zeigt ein differenzierteres Bild: Unter bestimmten Umständen können sie sogar entlastend wirken. Eine aktuelle Studie macht deutlich, wann eine Trennung das Wohlbefinden steigern kann und für wen besonders.
Eldery couple in a crisis - Adobe Stock - Andrii Zastrozhnov

Wussten Sie schon, dass Trennungen im höheren Alter auch erleichternd sein können?

Trennungen im höheren Alter, häufig als „graue Scheidungen“ oder „silberne Trennungen“ bezeichnet, haben in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen. Die Forschung zeigt bislang vor allem ihre Schattenseiten: mehr Einsamkeit, höhere depressive Symptome und erhöhten Stress. Neuere Studien zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild und legen nahe, dass Trennungen im höheren Alter unter bestimmten Umständen auch positive Folgen haben können.

In einigen Fällen wird eine Trennung sogar als Erleichterung erlebt, insbesondere dann, wenn die Partnerschaft über längere Zeit als belastend empfunden wurde. Neben geringer Beziehungsqualität oder Konflikten, etwa durch Untreue, kann auch die gesundheitliche Situation des Partners oder der Partnerin erheblichen Druck auf die Beziehung ausüben. Vor allem psychische Erkrankungen wie Depressionen können den Alltag stark prägen und eine Partnerschaft dauerhaft belasten.

In einer aktuellen Studie ist DSS-Forscherin Lisa Jessee gemeinsam mit Jeffrey Stokes der Frage nachgegangen, ob depressive Symptome eines Partners oder einer Partnerin vor der Trennung mit Veränderungen der eigenen psychischen Gesundheit nach der Trennung zusammenhängen. Grundlage der Analyse sind Daten aus über 15 Jahren der US-amerikanischen Health and Retirement Study (HRS). Untersucht wurden zusammenlebende Paare vor der Trennung sowie mindestens eine Person nach der Trennung.

Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede. Personen, deren Partnerin oder Partner vor der Trennung erhöhte depressive Symptome aufwies, berichten nach der Trennung im Durchschnitt von weniger depressiven Symptomen als zuvor. Dieser entlastende Effekt zeigt sich allerdings ausschließlich bei Männern. Offenbar sind Männer stärker belastet, wenn ihre Partnerinnen unter depressiven Symptomen leiden, als umgekehrt.

Die Studie macht deutlich, wie wichtig es ist, den Kontext vor einer Trennung mitzudenken. Trennungen im höheren Alter sind nicht per se belastend, sondern können unter bestimmten Bedingungen auch einen Weg zu mehr Wohlbefinden eröffnen.

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https://dss.uni-koeln.de/de/forschung/aktuelles/wussten-sie-schon-dass