zum Inhalt springen

Vertrauen lernen in der Schulklasse: Wie die Zusammensetzung von Klassen Gemeinschaft fördern kann

Neue Studie zeigt, wie Geschlecht und Herkunft das soziale Vertrauen von Jugendlichen beeinflussen.

Unter welchen Umständen entwickeln Jugendliche Vertrauen gegenüber unbekannten Mitschüler:innen oder Menschen im Allgemeinen? Welche Rolle spielt die demografische Zusammensetzung einer Schulklasse für das Vertrauen junger Menschen?

In einer kürzlich erschienenen Studie gehen die DSS-Forscher:innen Andrea Wingen und Clemens Kroneberg (ECONtribute)) einem bislang vernachlässigten Einflussfaktor nach – dem Ausmaß, in dem sich Mädchen und Jungen einer Schulklasse auch hinsichtlich ihrer ethnischen Herkunft voneinander unterscheiden. Der Studie liegt die folgende Argumentation zu Grunde: Wenn demografische Merkmale wie Geschlecht und ethnische Herkunft in einer Schulklasse stark miteinander verknüpft sind, fördert das die Bildung getrennter Freundschaftsgruppen entlang dieser Merkmale. Dadurch erleben Jugendliche Teile ihrer Klasse als fremder und lernen weniger, auch sozial entfernteren Jugendlichen zu vertrauen. Um diese Annahme zu überprüfen, analysierten Andrea Wingen und Clemens Kroneberg Daten aus einer Umfrage an 26 Schulen in Nordrhein-Westfalen, die im Rahmen des ERC-Projekts SOCIALBOND erhoben wurden.

Die Analyseergebnisse zeigen: Jugendliche ohne Migrationshintergrund haben tendenziell ein höheres Vertrauen in unbekannte Gleichaltrige im Schuljahrgang und in Menschen im Allgemeinen. Dieses fällt jedoch deutlich geringer aus, wenn sich Geschlecht und ethnische Herkunft in der Schulklasse überlappen – wenn also Jugendliche mit Migrationshintergrund tendenziell eher ein anderes Geschlecht aufweisen als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Für Jugendliche mit Migrationshintergrund lässt sich dieser Zusammenhang nicht mit der gleichen Deutlichkeit nachweisen.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Schulen durch eine gezielte Zusammensetzung ihrer Klassen dazu beitragen können, weniger segregierte Freundschaftsgruppen entstehen zu lassen – und gleichzeitig das soziale Vertrauen unter Jugendlichen zu fördern. An diese Erkenntnisse knüpft inzwischen auch eine von Hanno Kruse (Universität Bonn und ECONtribute) geleitete Emmy-Noether-Forschungsgruppe an.

Social-Media-Kanäle der WiSo-Fakultät

[ follow us! ]

Bachelor
Master

zum Seitenanfang