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Neue Studie macht Nachhaltigkeitsdaten europäischer Unternehmen erstmals systematisch vergleichbar

Europäische Unternehmen berichten heute deutlich umfassender über Nachhaltigkeit als noch vor zehn Jahren. Mehr Transparenz ist jedoch nicht automatisch mit besserer Nachhaltigkeitsleistung gleichzusetzen. Mithilfe von künstlicher Intelligenz macht die neue Studie von WiSo-Professor Maximilian Müller und seinen Ko-Autor:innen, Kerstin Forster, Lucas Keil, Victor Wagner, Thorsten Sellhorn und Stefan Feuerriegel Millionen bislang in Unternehmensberichten verborgener ESG-Daten systematisch vergleichbar und stellt Datensatz und Verfahren der Öffentlichkeit frei zur Verfügung. Die Studie wurde in Nature Communications veröffentlicht, einem renommierten multidisziplinären Journal, das für eine wirtschaftswissenschaftliche Arbeit eine sehr hohe fachübergreifende Reichweite bietet.

Mittels einer LLM-Methode konnten aus 9.000 Unternehmensberichten rund 2,9 Millionen ESG-Beobachtungen gewonnen werden. Und die Ergebnisse zeigen: Die Berichterstattung ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich umfassender geworden, die Entwicklung der tatsächlichen ESG-Indikatoren fällt jedoch sehr unterschiedlich aus. Viele soziale Indikatoren stagnieren weitgehend, wobei sich insbesondere bei der Geschlechtergleichstellung Fortschritte zeigen. Im Umweltbereich sind bei einigen Indikatoren deutliche Verbesserungen sichtbar, bei anderen dagegen nur geringe oder keine Fortschritte. Besonders anschaulich ist die Entwicklung der Scope-3-Emissionen: Der starke Anstieg der berichteten Gesamtemissionen bedeutet nicht unbedingt, dass sich die Leistung entsprechend verschlechtert hat. Er ist zu einem erheblichen Teil darauf zurückzuführen, dass Unternehmen inzwischen mehr Emissionskategorien erfassen und offenlegen. Die Studie zeigt damit auch, wie stark die wahrgenommene Nachhaltigkeitsleistung von der Verfügbarkeit der zugrunde liegenden Daten abhängt.

Für Unternehmen schafft das Framework eine Grundlage, um die eigene Berichterstattung und Nachhaltigkeitsleistung systematisch über die Zeit sowie im Vergleich zu Branchenwettbewerbern zu analysieren. Dadurch lassen sich sowohl Transparenzlücken als auch tatsächlicher Handlungsbedarf besser erkennen. Für politische Entscheidungsträger stellt die Studie eine umfassende Ausgangsbasis bereit, um zu beobachten, in welchen Bereichen Unternehmensdaten verfügbar sind, wo weiterhin Lücken bestehen und ob neue Berichtsanforderungen wie die ESRS künftig tatsächlich zu einer besseren Informationsgrundlage führen. Das Verfahren kann zudem regelmäßig aktualisiert und auf weitere Unternehmen, Länder und regulatorische Anforderungen übertragen werden. Für die Gesellschaft macht das Projekt Informationen zugänglich, die bislang über Tausende umfangreiche PDF-Berichte verstreut oder nur über kostenpflichtige kommerzielle Datenanbieter verfügbar waren. Der offene Datensatz und der frei verfügbare Code ermöglichen es beispielsweise Wissenschaft, Medien, NGOs, Investoren und Beschäftigten, Unternehmensangaben systematisch zu vergleichen und Fortschritte gegenüber selbst gesetzten Zielen nachzuverfolgen. In diesem Sinne schafft die Studie ein öffentliches Gut, das die Nachprüfbarkeit unternehmerischer Nachhaltigkeitsaktivitäten verbessert.

Mit den Ergebnissen der Studie und dem offenen Datensatz leistet das Team um WiSo-Professor Maximilian Müller einen wichtigen Beitrag dazu, Nachhaltigkeitsinformationen transparenter, vergleichbarer und für eine breite Öffentlichkeit nutzbar zu machen.