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Jugendkriminalität im Wandel: Was NRW jetzt wissen muss

Im Jahr 2022 verzeichnete Deutschland einen Anstieg der von der Polizei registrierten Kinder- und Jugendkriminalität. Angesichts der Einschränkungen der offiziellen Polizeistatistiken beauftragte der Landtag von Nordrhein-Westfalen die Landesregierung mit einer unabhängigen Dunkelfeldstudie, um das Vorhandensein, das Ausmaß und die möglichen Ursachen dieses Anstiegs zu untersuchen und politische Empfehlungen zu entwickeln. Diesen Aufgaben nahm sich WiSo-Professor Clemens Kroneberg gemeinsam mit seinen Kolleg:innen an. Der Abschlussbericht zur Studie „Zur Entwicklung der Kinder- und Jugenddelinquenz in Nordrhein-Westfalen: Abschlussbericht zum Teilprojekt „Dunkelfeld““ wurde bereits an Innenminister Reul übergeben und fand auch in den Medien, darunter WDR aktuell, NTV und RTL, große Beachtung. Heute findet die Aussprache zu den Ergebnissen der Studie im Innenausschuss des Landtages statt.

Im Mittelpunkt der Studie steht eine groß angelegte Schulbefragung, die im Herbst und Winter 2024 durchgeführt wurde. Die Forscher:innen besuchten erneut Schulen, die bereits an einer früheren Studie von 2013 bis 2016 teilgenommen hatten, was aufgrund der hohen Rücklaufquote und der relevanten Messgrößen deskriptive Vergleiche ermöglichte. Die neue Umfrage umfasste mehr als 3700 Schüler:innen an 27 weiterführenden Schulen in drei Städten im Ruhrgebiet.

Die Studie zeigt, dass die überwiegende Mehrheit der befragten Jugendlichen von keinem Eigentums- oder Gewaltdelikt in den letzten 12 Monaten berichtet. Dies galt 2013 bzw. 2015 ebenso wie 2024. Jedoch ist ein deutlicher Anstieg der Prävalenz von Eigentums- und Gewaltdelikten zu verzeichnen. Besonders ausgeprägt ist der Anstieg der Gewaltprävalenz und der Mehrfachtäterschaft unter den befragten Mädchen. Verglichen mit der Erhebung von vor ca. 10 Jahren beobachten die Forscher:innen zudem einen Rückgang der selbst eingeschätzten Selbstkontrolle, der Akzeptanz schulischer Normen und der Erwartung für Regelverstöße Konsequenzen zu erfahren.

Kroneberg betont: „Interessanter Weise finden wir im Zeitvergleich keine erhöhte Akzeptanz von Gewalt. Dies, wie auch die weite Verbreitung psychischer Belastungen, spricht dafür, dass Jugendliche heute häufiger überfordert sind und vor allem in ihren sozialen und emotionalen Kompetenzen gestärkt werden müssen.“ Die Ergebnisse der Studie böten dagegen keine Grundlage für den Ruf nach stark repressiven Maßnahmen wie einer Herabsetzung des Alters der Strafmündigkeit, so Kroneberg. Die Forscher:innen formulieren in ihrem Abschlussbericht eine Reihe von Handlungsempfehlungen, durch die sich die Präventionsarbeit stärken lasse.

 

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