Karneval ist weit mehr als Kostüm und Konfetti. Eine aktuelle Studie der WiSo-Fakultät der Universität zu Köln zeigt, dass ehrenamtliches Engagement in Karnevalsvereinen positive Effekte auf Gesundheit, Wohlbefinden und soziale Teilhabe haben kann. Soziale Netzwerke im Verein können demnach Gesundheit und Wohlbefinden nachhaltig fördern.
In ihrer sogenannten „Jeckenstudie“, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), untersuchten Prof. Dr. Lea Ellwardt, Dr. Paula Steinhoff und Dr. Amelie Reiner, wie soziale Beziehungen im Freizeitbereich, konkret im Karneval, Menschen über verschiedene Lebensphasen hinweg unterstützen. Zuletzt hatte das Kölner Universitätsmagazin über die Studie berichtet.
Im Fokus der Untersuchung stehen aktive Mitglieder von Karnevalsgesellschaften in Köln und dem Umland. Zwischen 2022 und 2024 führten die drei WiSo-Wissenschaftler:innen qualitative Interviews mit engagierten Jeck:innen im Alter von 45 bis 80 Jahren, begleitet von einer standardisierten Online-Befragung unter mehr als 100 Vereinsmitgliedern. Ziel war es, die sozialen Netzwerke innerhalb der Vereine sichtbar zu machen und deren Bedeutung für das individuelle Wohlbefinden zu analysieren.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen: Für viele Teilnehmende steht nicht der Karneval selbst im Vordergrund, sondern das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Karnevalsvereine bieten Menschen in allen Lebensphasen die Möglichkeit, sich einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und Wertschätzung zu erfahren. Besonders für Rentner:innen können sie dabei ein wichtiger Ort von Sinnstiftung sein. Soziale Kontakte im Verein wirken oft über den eigentlichen Vereinskontext hinaus, da sie mit familiären Netzwerken verflochten sind und gegenseitige Unterstützung fördern. Selbst lockere Bekanntschaften im Verein spielen eine wichtige Rolle: Viele Mitglieder tauschen sich mit weniger engen Kontakten über sensible Themen wie Gesundheit aus. Solche offenen Netzwerke können Stress abfedern und dazu beitragen, soziale Isolation zu vermeiden, was ein zentraler Faktor für gesundes Altern ist.
Unsere Jeckenstudie zeigt, was die Menschen im Rheinland eigentlich schon lange wissen: Karneval verbindet. Und wer gemeinsam feiert, lacht und organisiert, tut nicht nur der Tradition etwas Gutes, sondern auch Körper und Seele. Somit ein Alaaf, auch aus wissenschaftlicher Sicht!
Studien mit weiteren Ergebnissen:
Reiner, A., Moody, J. (2025). Moving beyond constrained settings: Health and network dynamics among middle-aged and older adults in voluntary clubs. Network Science, 13: e15.
Reiner, A., Wittek, M., Ellwardt, L. (2025): Who would ask whom for health advice? The structural anatomy of health advice networks among middle-aged and older adults. Network Science, 13: e14.
Steinhoff, P., Ellwardt, L., Wermeyer, M. (2024): Well-being in middle-aged and older adults who volunteer: A qualitative network analysis. Aging & Mental Health, 343-351.